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Odo Rumpf

Bildhauer

Schöpfer kinetischer Skulpturen und Gründer des Skulpturengartens Odonien in Köln. Seit über vier Jahrzehnten transformiert Odo Rumpf industrielle Materialien in lebendige Kunstwerke.

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Archos Palingenius — Skulpturales Environment am Rheinufer Monheim
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Monheim am Rhein · 2001–2002

Archos
Palingenius

Imaginäre Fundstücke aus der Frühgeschichte der Stadt Monheim am Rhein. Ein großmaßstäbliches skulpturales Environment aus Fragmenten eines erfundenen urzeitlichen Wesens — verteilt im Gelände wie von zurückweichenden Rheinfluten freigelegt.

2001–2002
Monheim am Rhein
GIP · Stadt Monheim
Archos Palingenius — Wirbel-Rippen-Zone, Gesamtansicht
Schädel — Hafenbarkasse Hans
Schwanzflosse am Rheinufer
Flügel — 10m hohes Förderband
Archos bei Überflutung

Konzept

Ein Environment liest den Ort neu

Archos Palingenius ist kein Einzelobjekt, sondern ein zusammenhängendes Environment, das mit der landschaftlichen Struktur des Areals kommuniziert und zugleich aus einzelnen, eigenständig wahrnehmbaren Skulpturen besteht.

Inhaltlich knüpft das Projekt an eine imaginierte Frühgeschichte Monheims an: Tiere, Flusslandschaft, Rheinfischerei, Landwirtschaft und Handwerk werden nicht illustrativ dargestellt, sondern in Form eines erfundenen urzeitlichen Wesens und weiterer auftauchender Fragmente räumlich übersetzt.

Das Environment reagiert präzise auf Monheim: Eisenbahnmaterial verweist auf die frühe elektrische Bahnstrecke Langenfeld–Monheim–Hitdorf; Teile aus Tagebau- und Baggerkontexten verweisen auf die regionale Kies- und Sandwirtschaft; weitere Motive beziehen Landwirtschaft, Handwerk und Rheinfischerei ein.

„Die Stärke des Projekts liegt in dieser Doppelbewegung: Einerseits wirkt Archos wie ein archäologischer Fund, andererseits bleibt das Ganze klar als künstlerische Setzung lesbar.“

Zur Namensdeutung

Archos

Archosaurier

Bezug zu einer bedeutenden Unterklasse der Reptilien

Palin

griech. Rückkehr

Rückkehr / Wiederkehr des Vergessenen

Genius

Schöpfergeist

Verkörperung menschlichen Schöpferwillens

Die Phantasie schweift in Monheims Frühgeschichte zurück, Vergessenes kehrt in verwandelter Gestalt wieder, und das Stahlwesen ist eine Verkörperung menschlichen Schöpfergeistes.

Bauteile

Vier Elemente — ein Environment

Räumlich verteilt im Gelände, als zusammenhängende Figur lesbar.

Wirbel-Rippen-Fragmente
01

Wirbel-Rippen-Fragmente

ca. 5m hoch · 10m lang · 6,5m breit

Aus überwiegend eisenbahnbezogenen Fundstücken entsteht das zentrale Rückgrat des Wesens. Die Verbindung zur frühen elektrischen Bahnstrecke Langenfeld–Monheim–Hitdorf macht die Skulptur ortsspezifisch.

Material: Schwellen, Schienen, Befestigungselemente, Waggonradteile

Schädel
02

Schädel

ca. 2m hoch · 7m lang · 3m breit

Eine 9 Meter lange und 8 Tonnen schwere Hafenbarkasse wird zum Hauptteil des Schädels. Halbschalen einer Schwimmbaggerschaufel bilden die Augenhöhlen.

Material: Hafenbarkasse „Hans" (9m lang, 8 Tonnen), Schwimmbaggerschaufel-Halbschalen für Augenhöhlen

Schwanzflosse
03

Schwanzflosse

ca. 3,5m hoch · 7m lang · 6m breit

Am Rheinufer positioniert, als wäre sie vom Wasser freigelegt worden. Die Flosse verstärkt den Eindruck eines Wasserwesens aus der Urzeit.

Material: Industriefundstücke, Stahl

Flügel
04

Flügel

ca. 10m hoch · 6m breit

Ein deformiertes Förderband aus dem Tagebau wird zum Hauptteil des Flügels. Mit etwa 10 Metern Höhe das höchste Element des gesamten Environments.

Material: Kunstvoll verformtes Förderband als Hauptteil

Material & Herkunft

Das Material trägt bereits Geschichte

Jedes Fundstück verweist auf die industrielle und wirtschaftliche Geschichte der Region Monheim.

Eisenbahn

Schwellen, Schienen, Befestigungselemente und Waggonradteile verweisen auf die frühe elektrische Bahnstrecke Langenfeld–Monheim–Hitdorf.

Tagebau & Bagger

Kettenelemente aus Fahrwerken von Rhein-Braun-Tagebaubaggern verweisen auf die regionale Kies- und Sandwirtschaft. Ein deformiertes Förderband wird zum Flügel.

Hafenbarkasse

Eine 9 Meter lange, 8 Tonnen schwere Barkasse namens „Hans" wird zum Schädelteil verarbeitet — Transport, Umbau und Skulptur in einem.

Schwimmbagger

Halbschalen einer Schwimmbaggerschaufel werden zu Augenhöhlen des Schädels — ein präzises Beispiel für die transformative Logik des Projekts.

Chronik

Vom Auftrag zur Fertigstellung

2001

Rahmenkonzept

Die GIP entwickelt für die Stadt Monheim ein Rahmenkonzept zur künstlerischen Gestaltung des Skulpturenpfades und schlägt Odo Rumpf als Gestalter vor.

2001

Ratsbeschluss

Der Stadtrat von Monheim beschließt die Beauftragung.

2001

Pressekonferenz

Am 7. Dezember präsentiert Odo Rumpf erste Pläne und eine erste Skizze auf einer Pressekonferenz.

2002

Material- und Bauphase

Die Hafenbarkasse „Hans" (9m lang, 8 Tonnen) wird nach Köln transportiert und zum Schädelteil verarbeitet. Styropormodelle des Oberkiefers entstehen, erste Schweißarbeiten laufen.

2002

Wirbelarbeiten

Kettenfahrwerksteile aus dem Tagebau werden verarbeitet, Unterkieferbau und weitere Atelierphasen. Ende Februar zeigt sich das Gelände in Monheim zeitweise überflutet.

2002

Schwanzflosse & Rippen

Im März entstehen Modell und Bau der Schwanzflosse, die Rippenzone wird fertig in der Halle gezeigt.

2002

Transport nach Monheim

Am 16. April 2002 tritt Archos Palingenius die Reise nach Monheim an.

2002

Aufstellung

Am 15. Mai steht das Werk an seinem endgültigen Standort.

2002

Fertigstellung

Am 4. Juni 2002 werden Rippenbogen und Flügel gesetzt und statisch abgenommen. Die Reaktionen sind kontrovers, aber nicht gleichgültig.

Projektdaten

Zeitraum2001–2002
OrtMonheim am Rhein
StandortDeichgelände, EUROGA 2002plus
ElementeWirbel-Rippen, Schädel, Schwanzflosse, Flügel
MaterialEisenbahn · Tagebau · Schiffsbau
CharakterLandschaft · Environment · Öffentlicher Raum
StatusAbgeschlossen

Beteiligte

Odo Rumpf

Künstler

GIP

Rahmenkonzept

Stadt Monheim

Auftraggeber

René Leddermann

Fotografie

Work in Progress

Archos Palingenius war ausdrücklich als offener Prozess angelegt. Weil Odo Rumpf mit industriellen Fundstücken arbeitet, beeinflussen gefundene Teile den Prozess selbst — das Environment ist das Resultat eines wachsenden Dialogs zwischen Idee, Recherche, Material und Gelände.

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